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"Türkei - faszinierend farbig"

Weil es so einfach ist, teilt man die Welt heute gerne in zwei Hälften, redet vom christlich-islamischen Zusammenstoß, und kann sich Staaten oft nur als den Ausdruck einer ethnischen Identität vorstellen. Die Art wie die Türkei nun schon seit langer Zeit von der EU getestet und geprüft wird, passt gut zu dieser Haltung. Gerade so, als seien die EU und die Türkei zwei eindimensionale Dinge, zwischen denen es weder Verbindungen noch Überschneidungen gibt.

Dabei hat die Türkei so viele Potentiale weit jenseits dieser Schwarz-Weiß-Malerei. Sie hat ein reiches kulturelles Erbe, das aus einer langen gemeinsamen Geschichte des Zusammenlebens unterschiedlicher Gruppen herrührt.

Wer seine Augen aufmacht, der sieht in unserer Musik und Kunst, in unserer Literatur und der Architektur Einflüsse aus dem Balkan, dem Iran, und der Welt der Araber, sieht Spuren der verschiedensten ethnischen, sprachlichen und religiösen Gruppen.

Freilich sind auch wir in der Türkei von solchen Tendenzen zur Einseitigkeit nicht frei. Dabei macht es doch wenig Sinn, sich darüber zu streiten, welche Dinge in unserer Kultur nun ausgesprochen türkisch sind und welche andere Einflüsse zeigen. Viel wichtiger ist, dass wir diese Verwobenheit und Vielfalt als einen Wert an sich begreifen und zu unserer Geschichte stehen. Statt unterschiedliche Einflüsse zu negieren und alles über einen Kamm zu scheren, sollten wir froh über ein so vielfältiges kulturelles Erbe sein. Denn dieses Erbe ist ein Teil von Anatolien und lebt hier stärker fort als sonst wo auf der Welt.

Deshalb bekennen wir uns zu allen Trägern der kulturellen Vielfalt unseres Landes und erkennen in ihnen einen wichtigen Teil von uns selbst. Wir schätzen diese Vielfalt, sie stehen für die Türkei in allen ihren Farben.